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Wo die Orgel den Fuchsschwanz trifft

Mit einem ungewöhnlichen Orgelkonzert mit Fuchsschwanz, Wasserschlauch und Dudelsack, wird der 11. Mittelhessische Kultursommer am Sonntag, den 7. September 2003, in Ulrichstein‑Wohnfeld unter dem Motto "Duett/Was ein Orgeln und Sägen" Einzug halten. Zeitgleich mit dem Kulturereignis taucht das kleine Dorf im Hohen Vogelsberg ins Mittelalter ein und begeht mit historischen Marktständen, Theater, Gauklern und Musikanten seine 650‑Jahrfeier. Die 290 Seelen‑Gemeinde rechnet mit über 6000 Besuchern.

Es gibt nicht mehr viele Dörfer im Vogelsberg, die einen derart ursprünglichen Charakter aufweisen wie Wohnfeld. Wo andernorts die alten Dorfkerne zerfallen, die eichenholzbewährten und lehmhaftigen Zeugen der Vergangenheit verschwinden und mit ihnen der einmalige, unwiederbringliche Charakter des Dorfes, trifft man in Wohnfeld noch ein weitgehend intaktes Dorfzentrum an.

So lag die Idee nahe, diese anmutigen Fachwerkhäuser im Rahmen der Feierlichkeiten der 650. Wiederkehr der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Dorfes Wohnfeld in das Fest einzubinden. Die 650-Jahrfeier am 7. September 2003 wird eine Darstellung der Dorfgeschichte anhand seiner vielen gut erhaltenen Bauernhäusern sein. Sie bilden das Rückgrad des ungewöhnlichen Dorffestes.

In den Vorhöfen, Scheunen und engen Gassen werden etliche Musikdarbietungen und eine Theateraufführung stattfinden, umrahmt von Darbietung alter Handwerksfertigkeiten und vielen Ständen. Etliche Einwohner kleiden sich in historische Kostüme.

In wildromantischer Umgebung an einem ehemaligen Kaufmannshaus treten Bettina Kaminski und Reinhard Hinzpeter auf. Die beiden Wohnfelder Schauspieler vom Freien Schauspiel Ensemble "Philantropin" Frankfurt am Main, zeigen unter dem Titel "Tolldreiste Geschichten", Sketche aus der alltäglichen verrückten Welt.

Mit Simon Wahby, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld, konnte ein exzellenter Orgelspieler gewonnen werden, der das unterforderte Orgelwerk aus dem Jahre 1800 der Wohnfelder Fachwerkkirche zum Jubilieren bringen wird. Über den Tag verteilt wird Wahby die Geschichte des Dorfes in seinen Orgelstücken aus mehreren Jahrhunderten wiederspiegeln. Sechs ungewöhnlichen Instrumenten wie Fuchsschwanz und Wasserschlauch begleitet ihn. Die Proben zeigten, welch eine Kraft in dem bisher unterforderten unter Denkmalschutz stehenden Orgelwerk steckt.

Den Worten des Hessischen Kulturministers Udo Corts folgend, "...ich habe den erfreulichen Eindruck, dass nicht nur die Künstler, "die Kulturmacher", sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger inzwischen ihren Kultursommer zu "ihrer Sache" gemacht haben," werden auch in Wohnfeld allesamt Musizierende der Region Vogelsberg/Wetterau auftreten.

Da greift eine Politologin zum Cello, begleitet von einem siebzigjährigen Landwirt auf dem Akkordeon, der wiederum von seinem gleichaltrigen Freund virtuos auf der Geige unterstütz wird. Das Duo wird auch musizierend durch Dorf ziehen.

Die Gruppe der regionalen Musikanten wird von einerjungen Mutter ergänzt, die wohl das ungewöhnlichste Instrument stellt, einen Fuchsschwanz. Im Kindesalter durch die "singende Säge" in Pippi Langstrumpf inspiriert, legte sie sich einen speziellen, 250 Euro teuren Fuchsschwanz aus gehärtetem Stahl mit Überlänge zu und spielte in verschiedene Bands. Es handelt sich also um ein anerkanntes Musikinstrument. Zur Überraschung der Musiker klappt die akustische Paarung aus Fuchsschwanz und Orgel der beiden ungleichen Instrumente auf Anhieb.

Gut eingebunden konnte auch ein Profi werden, einstudierte Musiker und Dozent für Trompete. Erstmalig wird ein Stück "Choralbearbeitung für Trompete und Orgel", die Melodie stammt aus dem Jahre 1660, auf drei Instrumenten vorgetragen, einer Barocktrompete, einer modernen Trompete und einem Wasserschlauch. Dabei steht der Wasserschlauch in seiner Ausdrucksstärke den Trompeten in nichts nach, wie es die ersten Proben verblüfft zeigten.

Mit von der Partie ist auch die Ballhaus-Compagnie aus Herbstein. Sie wird mit ihren meist selbst geschriebenen feinfühligen Stücken auf Keyboard und Dudelsack die 650-Jahr-Feier bereichern und auch an der Duett-Darbietung des Kultursommers teilnehmen. Die ungewöhnliche Paarung aus Orgel und Dudelsack gelingt verblüffend harmonisch, hatte man anfänglich doch Sorge, dass das mächtige Instrument die zarte Orgel akustisch in die Knie zwingen und die Zuhörer in die Flucht schlagen könnte. Mit den "Drei Oberhessen" wiederum wird das Bedürfnis nach kräftiger Volksmusik gestillt - außerhalb der Kirche.
 

(Presseinfo von C. Schwing)

Mit Simon Wahby, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld, konnte ein exzellenter Orgelspieler gewonnen werden. Auch wenn der in Essen studierte Kirchenmusiker seine Lieblingsorgel in der Nachbargemeinde Bobenhausen II gefunden hat, erbaut im Jahr 1776, so konnte er sich doch mit dem eher schmalbrüstigen Wohnfelder Orgelwerk anfreunden, das er in der anmutigen Fachwerkkirche zum Jubilieren bringen wird. Die Proben zeigten, welch eine Kraft in dem bisher unterforderten Orgelwerk steckt. Doch der Kenner wird es merken. Die um 1800 erbaute und 1855 von der Wetterau nach Wohnfeld übergesiedelte Orgel benötig dringend einer Grundrenovierung, die mindestens
20 000 Euro kostet. Es würde sich lohnen, denn nicht von ungefähr steht das malade Schmuckstück unter Denkmalschutz.

Über den Tag verteilt wird Wahby die Geschichte des Dorfes in seinen Orgelstücken aus mehreren Jahrhunderten wiederspiegeln. Jeweils um 13.00 und 16.00 Uhr wird das Orgelkonzert für eine halbe Stunde mit sechs ungewöhnlichen Instrumenten begleitet. Den Worten des Hessischen Kulturministers Udo Corts folgend, "...ich habe den erfreulichen Eindruck, dass nicht nur die Künstler, "die Kulturmacher", sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger inzwischen ihren Kultursommer zu "ihrer Sache" gemacht haben," werden auch in Wohnfeld allesamt Musizierende der Region Vogelsberg/Wetterau auftreten.

So wird die Ulrichsteiner Neubürgerin Elke Bruchmann die Orgel auf dem Cello begleiten ‑ ihr erster Auftritt nach langen Jahren öffentlichen Pausierens. Bereits bei der Probe imponierte sie ihre Mitmusikanten derart, dass man sie für ein Ensemble engagieren möchte, das sich der Wiener Kaffeehausmusik widmet. Aus Almenrod bei Lauterbach kommt Albert Schmelz. Der auf die siebzig Jahre zugehende Landwirt beherrscht das Akkordeon exzellent und spielt auch in seiner Gemeinde seit über 40 Jahren Sonntag für Sonntag die Orgel.

Begleitet wird der von dem gleichaltrigen Otto Bellinger aus Lautertal -Hopfmannsfeld, der die Geige schwungvoll bedient. Bellinger, der mehrfach den Hessentag musikalisch begleitet hat, initiiert in seinem Haus Musikabende, bei den auch mal russische Musiker mitwirken. Man kennt die beiden Vogelsberger von gemeinsamen Auftritten beim Bierfest in Lauterbach oder vom Mühlenfest in Stumpertenrod. Beide werden nicht nur mit der Orgel ein Bündnis eingehen, sondern auch musizierend durch Dorf ziehen.

Die Gruppe der regionalen Musikanten wird durch Annekatrin Zint aus Schwickarthausen ergänzt, die wohl das ungewöhnlichste Instrument stellt, einen Fuchsschwanz. Im Kindesalter durch die "singende Säge" in Pippi Langstrumpf inspiriert, legte sie sich einen speziellen, 250 Euro teuren Fuchsschwanz aus gehärtetem Stahl mit Überlänge zu und spielte in verschiendene Bands. Es handelt sich also um ein anerkanntes Musikinstrument. Zur Überraschung der Musiker klappt die akustische Paarung der beiden ungleichen Instrumente auf Anhieb.

Gut eingebunden konnte auch ein Profi werden, der studierte Musiker und Dozent für Trompete, Alexander Gröb aus Nidda-Eichelsdorf. Er und sein Orgelkollege Wahby haben bereits mehrfach gemeinsam Konzerte bestritten und eine CD herausgebracht. Das Musizieren in Fachwerkkirchen ist den beiden nicht fremd.

Erstmalig wird Gröb ein Stück "Choralbearbeitung für Trompete und Orgel", die Melodie stammt aus dem Jahre 1660, auf drei Instrumenten spielen, einer Barocktrompete, einer modernen Trompete und einem Wasserschlauch. Dabei steht der Wasserschlauch in seiner Ausdrucksstärke den Trompeten in nichts nach, wie es die ersten Proben verblüfft zeigten.

Mit von der Partie ist auch die Ballhaus‑Compagnie aus Herbstein, bekannt durch ihre vor kurzem erschienene erste CD "Ballhaus‑Compagnie Debüt". Sie wird mit ihren meist selbst geschriebenen feinfühligen Stücken auf Keyboard und Dudelsack die 650-Jahr‑Feier bereichern.

Berthold Wünsch, der Dudelsackspieler, wird auch an der Duett‑Darbietung teilnehmen. Die ungewöhnliche Paarung aus Orgel und Dudelsack gelingt verblüffend harmonisch, hatte man anfänglich doch Sorge, dass das mächtige Instrument die zarte Orgel akustisch in die Knie zwingen und die Zuhörer in die Flucht schlagen könnte.