Bei Dähls Hannes

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Peter-Fuchs-Strasse 18

Haustyp: Ein für die Dörfer des Vogelsberges ungewöhnlich geräumiges Haus mit einer Geschosshöhe von fast drei Metern. Errichtet wurde dieses Fachwerkhaus im städtischen Charakter neben den Resten eines bescheideneren Vorgängerbaus, der im Sommer 1893 komplett abrennt. Den Neu­bau treibt man mit großer Eile voran, verwendet hierzu grünes Fichtenholz. Die Folge: Teile des Dachstuhles müssen weni­ge Jahre später bereits ersetzt werden. Mit dem neuen Eigentümer wird das Anwesen 1995 einer grundlegenden Renovierung un­terzogen.

Hausgeschichte: In dem bäuerlichen Anwesen,1893/94 errichtet, wird eine Gastwirtschaft untergebracht. Der Erbauer, Adam Hofmann, ist des Ausschenkens mächtig, stammte er doch aus der Wohnfelder Gastwirtschaft "Zum gemütlichen Eck." 1950 gesellt sich die Poststelle dazu. Parallel betreibt man Landwirtschaft, besitzt ein Dutzend Kühe, ein Pferd, Hühner und Schweine im Stall.

 Der Volksmund nennt die Gastwirtschaft "bei Dähls Hannes". Es sind die alten Männer, die hier in der Feierabendwirtschaft weit nach Sonnenuntergang mit Bier und Schnaps verköstigt werden und dabei Karten spielen.

Bis 1962 gibt es insgesamt drei Gastwirtschaften in Wohnfeld, heute, 2003, nur noch eine. Und von den einst fünf Lebensmittelläden, die alle das Gleiche anzubieten hatten, ist keiner mehr vorhanden.

 In "Dähls Haus" gibt es neben Schnaps und Briefmarken auch das nötige Kleingeld, da die Sparkasse, nachdem die Post abgeschafft wurde, in der ehemaligen Schalterstube ihre Filiale eröffnet. Einmal in der Woche wird aufgemacht, da kommt das Geldauto. Man traut dem Papiergled nicht so recht und bevorzugte die "bare" Münze. Geldangelegenheiten, das Abholen der Rente zum Beispiel, werden vorwiegend von Frauen erledigt. So sitzen die Kundinnen oft strickend und schwätzend in der Küche und warten, bis sie an der Reihe sind und in den kleinen Sparkassenraum gerufen werden.

 Im ersten Stock wird 1926 Theater gespielt. Die Tradition findet in den fünfziger Jahren ihren Höhepunkt, als das Theaterensemble der freiwilligen Feuerwehr auch außerhalb Wohnfelds auftritt.  Post und Gastwirtschaft werden hier bis in die siebziger Jahre betrieben.

 Als im Jahr 1884 Adam Hofmann und Katharina Diehl, beide aus Wohnfeld, hier im Haus der Braut heiraten, hat laut Ehevertrag jeder mitzubringen: "1000 Mark bares Geld, ferner eine Kuh, zwei Schafe, dreisig Mark für ein Schwein, ein Kleiderschrank, sechs Stuhl, ein voll ständiges Bette und standesmäsige Kleidung, ca Werth 2000 Mark." Ferner bringt die Braut zusätzlich in die Ehe ein: Einen Küchenschrank, 10 Klaben gebrechten Flachs (10 Garben Rohflachs), ein Kleugtuch (Wagentuch zum Abdecken der Garben).

Aus dieser Ehe gehen drei Kinder hervor. Der Sohn, Johannes Hofmann, heiratete 1919 Anna Roth aus Kölzenhain. Nach dem Tod ihrer Eltern im Jahre 1962 lebt ihr einziges Kind, Tochter Erna (geboren 1919), bis zu ihrem Tode 1995 alleine in dem großen Haus. Sie bleibt unverheiratet, ohne Nachkommen, so dass eine Erbengemeinschaft das Haus an Klaus Kaas verkauft. Bald kam Heike Rühl aus Frankfurt hinzu und der kleine Julian wird geboren.