Handwerk

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Handwerk in Wohnfeld

Müllerhandwerk

Kaum ein Handwerk hat in den letzten Jahrhunderten so existenzielle Bedeutung für das alltägliche Leben unserer Vorfahren gehabt wie das Müllerhandwerk. Auch wenn das Korn von den Familien selbst angebaut und geerntet wurde, so musste es doch für das primäre Grundnahrungsmittel, das tägliche Brot, gemahlen werden. Dies war in Eigenleistung praktisch nicht zu bewältigen. So hatte sich bereits in früher Zeit die Technik der von einem ober- oder unterschächtigen Wasserrad angetriebenen Korn- oder Ölmühlen entwickelt. Diese Mühlenart kam insbesondere in unserer wasserreichen Mittelgebirgslandschaft zum Einsatz Die Wohnfelder Mühlen sind in der Rubrik „Chronik“ bzw. „Mühlen“ ausführlicher dargestellt.

Schmiedehandwerk

Der Schmied ist nicht nur einer der ältesten Handwerksberufe (seit der Eisenzeit) – in den vergangenen Jahrhunderten gehörte er auch zu den wichtigsten Dorfhandwerkern. Neben der Herstellung von Hufeisen und sonstigen Eisenteilen sowie der Reparatur jeglicher Metallgegenstände, war er auch für das Beschlagen der Tiere zuständig. Besonders für Wagner stellten die Schmiede Eisenprodukte her, die diese wiederum für ihre Wagen benötigten.

Im Mittelalter hatten Schmiede teilweise sogar das Recht, Ehen zu schließen.

Nach Heinrich Schmidt war in Wohnfeld Wenzel Schindler als Dorfschmied tätig. Nachdem es für seine handwerklichen Fertigkeiten in der neueren Zeit kaum noch einen Markt gab, fertigte er auch im hohen Alter immer wieder mit viel Geduld und Geschick schmiedeeiserne Straßenbezeichnungen, die noch heute viele Häuser zieren.

Schuhmacher

Die auch heute noch üblichen Lederschuhe werden prinzipiell bereits seit dem Mittelalter getragen und wurden bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschließlich handwerklich hergestellt. Hierzu hat der Schuhmacher zunächst genau Maß genommen und dann den Schuh um einen genau passenden Holzleisten herum gefertigt.

In Wohnfeld erinnern wir ans an die Schumacher Heinrich Scharmann, Heinrich Engel, Johannes Schott und nicht zuletzt an Eugen Schmidt, der bis vor wenigen Jahren immer wieder Schuhe der Dorfbewohner mit viel Geschick reparierte.

Schneider

Als unsere Vorfahren noch weit von der Zeit der großen Kaufhäuser entfernt waren, musste Kleidung im Wesentlichen selbst bzw. vom Dorfschneider hergestellt werden. In Wohnfeld wirkte in den vergangenen Jahrzehnten die Schneidermeisterin Elisabeth Krämer, die mit viel Fleiß und Können die verschiedensten Kleidungsteile geschneidert oder verändert hat. Ihre Kunstfertigkeit hat sie sich bis ins hohe Alter bewahrt.

Metzger

Da in früheren Jahren die dörfliche Familie hauptsächlich auf naturale Selbstversorgung angewiesen war und daher auch die eigenen Schlachttiere züchtete, wurden in dieser Zeit überwiegend Hausmetzger benötigt. Insbesondere in den Wintermonaten wurden die Hausschlachtungen vorgenommen, um die Vorräte entsprechend aufzustocken. In den vergangenen Jahrzehnten waren in Wohnfeld als Hausmetzger tätig: Heinrich Fuchs, Heinrich Wenzel, Heinrich Roth, Otto Roth, Edmund Roth.

Mit dem durch den Strukturwandel in der Arbeitswelt verbundenen Rückgang der landwirtschaftlichen Familienbetriebe wuchsen auch die Bedürfnisse der Bevölkerung, sich regelmäßiger mit fremden Produkten zu versorgen. So konnte sich schon in den dreißiger Jahren ein Metzgereigeschäft im Hause Wenzel (später Wedel) etablieren.

Lohndrescherei

Als die Tage des Dreschflegels gezählt waren, folgten immer wieder technische Entwicklungen, die die Getreideernte revolutionär veränderten. Nach der Kombination von „Binder“ zum Abernten und stationärer Dreschmaschine zum Dreschen brachte der Mähdrescher den endgültigen Durchbruch in die landwirtschaftliche Neuzeit.

Mit unternehmerischem Weitblick erkannte Karl Blum die Zeichen der Zeit und schaffte den ersten Mähdrescher in der Region an, den er für Lohndrusch einsetzte. Für einen einzelnen Landwirt wäre eine solche Investition zu dieser Zeit unmöglich gewesen für eine Maschine, die er saisonbedingt nur einmal im Jahr einsetzen konnte.

Wagner

Wagner fertigten in der Vergangenheit neben Wagen jeder Art auch andere Feldgeräte aus Holz, Leitern, Gestelle und Gerätschaften für die Flachsbearbeitung. Heinrich Rahn und Georg Bernhard haben diese Fertigkeiten im vergangenen Jahrhundert in Wohnfeld noch ausgeübt.