Matthias Beltz

Inhalt
Nach oben

Geboren am 31. Januar 1945 in Wohnfeld als Sohn des Dipl. Kaufmanns Fritz Beltz (zur Zeit seiner Geburt wahrscheinlich schon gefallen in der Sowjetunion, später als vermisst erklärt)  und der Dipl. Handelslehrerin Martha Beltz, geb.Graf. 

Mit dem 1941 geborenen Sohn Michael, lebte die kleine Familie in einer ruhigen, behüteten Vogelsberger Idylle. - So sollte man meinen. 

 Aber was war nicht gerade alles Fürchterliches geschehen und „draußen“ sah es an diesem Tag schlecht aus: Königsberg ist von sowjetischen Truppen umschlossen, Sowjetpanzer an der Oder – und Ecuador erklärt Deutschland auch noch den Krieg. Mit acht Monaten ging die Familie zurück nach Gießen. – 1955 besuchte Matthias das Alte Realgymnasium, später Herderschule. Beltz las Poe, E.T.A. Hoffmann, Kafka und Wilhelm Busch. Er ging gerne ins Theater, hörte viel Radio, informierte sich weltweit, genoß die Insulaner, den Frankfurter Wecker, Familie Hesselbach, Heinz Ehrhardt und Wolfgang Neuss.

1964 das Abitur, Studium der Jurisprudenz in Marburg, weiter in Frankfurt/M. mit dem Sommersemester 1966. Er konzentrierte sich auf Strafrecht, Kriminologie und Strafprozessrecht. Examen Sommer 1969. Ab Sommer 1970 Gerichtsreferendar. Es folgten einige Monate bei der Adam Opel AG im Rahmen der weltrevolutionären Bestrebungen. Ab Oktober 1975: Sehnsucht nach Veränderung. – Die Erfüllung seiner Sehnsucht ist uns in etwa bekannt, wir genossen seine Soloprogramme. - Keiner ahnte damals, dass dieser Sohn Wohnfelds einmal ein bekannter Kabarettist  würde –  Die Enkelin seiner eilig zur Geburt hinzu gerufenen Hebamme soll übrigens Schuld gehabt haben an seinen großen Ohren – sie habe ihn bei Geburt daran festgehalten, aufgefangen! –  Aber geprägt habe ihn der Vogelsberg als ältester, größter erloschener Vulkan Europas, schrieb sein großer Bruder Michael Beltz, heute in Gießen lebend. Er ging einen anderen Weg, wurde Lehrer und Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei und ist überzeugt: „Würde Matthias noch leben, so hätte er viel Spaß mit den Wohnfeldern an dem großen Jubiläum gehabt!“

Wir möchten ergänzend noch einige Passagen aus Michael Beltz` Brief vom 15.12.2002 zitieren:

„Als die Römer damals nach Norden zogen, war ihnen der Rhein, aber auch die Wetterau sehr sympathisch und bei sonnigem Wetter angenehm. So bauten sie eine Mauer, sie hieß Limes. Den Vogelsberg wollten sie nicht: Zu viel Basalt, zu viel Sturheit, schwer zu beackern, und oben blies ein kalter Nord-Ost. Hätten es sich die Römer anders überlegt, wäre Wohnfeld schon weit älter und es gäbe einen Landeszuschuss zur Jubiläumsfeier. Dann aber wäre die Mutter Beltz mit ihrem Sohn Michael als Folge von Evakuierung nicht nach Wohnfeld gezogen. Und Matthias Beltz wäre nicht dort geboren. – Sein erstes Grinsen zeigte er, als ich ihm mit seinen vier Monaten einen Maikäfer ins Gesicht setzte. Das muss im Mai 1945 gewesen sein. Unsere Mutter übersetzte derweil für die US-Besatzer Anweisungen und an die Amis Bittgesuche und demokratisch klingende Glaubensbekenntnisse. Da wurden auch einige Bauern wieder freundlicher zu den städtischen Eindringlingen, obwohl die deutsche Volksgemeinschaft zusammenhalten sollte. – Das hatte sich der Führer gewünscht. - Matthias verstand von all dem wenig und suchte Harmonie. Er ließ sich Locken wachsen und wurde deshalb von unserer Oma Graf mir gegenüber bevorzugt: ich durfte im Gegenzug auf einem Ackerstück Bohnen pflanzen. Matthias musste aus seinem Kinderwagen zugucken  und –zuhören. – Als Matthias gut 3 Monate alt war, verdrückten sich einige Nazis und wurden Demokraten. Da mein Bruder diesen Vorgang nicht so recht verstand, plädierte er auf vielen Veranstaltungen immer wieder für die Einführung der Monarchie.“ Einer seiner Slogans: Gnade für niemand – Freispruch für alle!

„Fritz Walter, einer der Helden von Bern (1954 – Toooor!) musste später meinem Bruder gegenüber einmal zugeben:

          „Ich habe nicht alles verstanden, aber ich finde dich großartig.“

So werden auch viele Wohnfelder und Menschen der Umgebung diesen von einem Weltmeister geprägten Satz einmal am Rande des Taufsteins vergraben.“ M.B. Hier ist Michael Beltz`Brief zu Ende.

 

Matthias Beltz erwähnte anlässlich seiner Auftritte seinen Geburtsort ganz bestimmt nicht nur der Lacher wegen – in Wohnfeld geboren zu sein erfüllte ihn ganz sicher auch mit Stolz. Er schlug damit eine Brücke zum Vogelsberg, zu uns, den Vogelsbergern! Unfassbar sein überraschender Tod 2001.